Termine

Treffen „Junger Menschen und Schlaganfall“ ...

Weiterlesen..


Treffen „Junger Menschen und Schlaganfall“ ...

Weiterlesen..


Schirmherrin Dr. Petra Sitte

Man läuft durch die Straßen und sieht gelegentlich Menschen verschiedenen Alters, die ein wenig schleppend ihren Weg nehmen. Früher hab ich dann gedacht: „Oh man, was ein Schlaganfall doch für schlimme Folgen haben kann.“

Irgendwann ergab es sich bei einem Tag der Selbsthilfegruppen auf dem Markt in Halle, dass ich gefragt wurde, ob ich mich nicht besonders für die Interessen von Schlaganfallbetroffenen oder von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen einsetzen wolle. Ja klar! Das wollte ich. Und ob ich mir vorstellen könnte, Schirmherrin des Landesverbandes Schlaganfall zu werden. Darüber hab ich dann ein paar Tage länger nachgedacht, mich schließlich aber dafür entschieden, ohne eine genauere Vorstellung davon zu haben.

Auftakt war dann ein Besuch der Klinik Bergmannstrost Halle, Klinik für Neurologie – Stroke Unit und Klinik für fachübergreifende Frührehabilitation. Dort wurde mir klar, dass die Folgen einer Hirnschädigung infolge eines Schlaganfalls noch viel schwerwiegender sein können, als der besagte schleppende Gang.

Und mir wurde auch klar, dass in den Kliniken selbst zwar bemerkenswerte Behandlungserfolge erzielt werden können. Wenn aber nach mehrwöchiger Rehabilitation und der Entlassung keine weitere Begleitung und Therapie erfolgt, dann werden viele Betroffene weit hinter den möglichen gesundheitlichen Verbesserungen bleiben. Das empfinde ich als inakzeptabel – für die Betroffenen selbst, für ihre Familien und aber auch aus gesellschaftlicher Sicht.

Bundesweit gibt es allein im Bereich der Schlaganfallerkrankungen ca. 270.000 Neufälle pro Jahr (unter Berücksichtigung nicht bemerkter sogenannter „stummer“ Schlaganfälle rechnet man mit 2 Mio. Fällen). Laut Ärztezeitung zählen Schlaganfälle zur dritthäufigsten Todesursache. Letzte auffindbare Zahlen für Sachsen-Anhalt gab das Statistische Landesamt 2011 an. Das ist bezeichnend und ein Signal an uns, wie sehr diese Krankheit im gesamten Gesundheitssystem vernachlässigt wird. „Durch zerebrovaskuläre Krankheiten, hierunter werden auch die Schlaganfälle gezählt, kamen ebenso deutlich mehr Frauen (1320 Sterbefälle) als Männer (845 Sterbefälle) zu Tode. Insgesamt verstarben hieran allerdings 416 Personen weniger als 2010.“ So also das Statistische Landesamt.

Allein diese veralteten Zahlen belegen, dass ein erheblicher Bedarf an therapeutischen Angeboten besteht, die in ein späteres Leben mit erworbenen Hirnschädigungen eingebettet werden sollten. Ich versuche daher, sowohl Initiativen im Lebensalltag, wie Schlaganfalllotsen und Schlaganfall-Helfer zu unterstützen, versuche aber auch, Verbindungen in den politischen Entscheidungsraum herzustellen. Dort gilt es, für die Dramatik der Folgen von Schlaganfällen zu sensibilisieren und Druck aufzubauen. Dass die Kassen dabei nicht außen vor bleiben können, ist selbstverständlich. Aber auch für diese bietet Unterstützung der Betroffenen die Chance, spätere und weitere Ausgaben zu begrenzen. Und daran haben Kassen als Beitragsverwalterinnen bekanntermaßen immer ein besonderes Interesse.

Ich möchte aber auch, gemeinsam mit anderen Engagierten, dass mehr, bessere und ortsnähere therapeutische Angebote in Sachsen-Anhalt geschaffen werden.

Wir werden für viele Verbesserungen einen langen Atem brauchen. Aber an meiner Kondition soll es nicht scheitern.

Dr. Petra Sitte