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Treffen „Junger Menschen und Schlaganfall“ ...

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Gerhard H., Lutherstadt Wittenberg

Es war nachts um 3 Uhr. Ich wurde ungewöhnlich wach und merkte, dass was passiert sein musste. Linksseitig waren das Bein und der Arm völlig funktionslos und das gewohnte Sprechen ging nicht mehr.

Ausgerechnet zufällig allein zu Hause (Ehefrau in stationäre Behandlung im Krankenhaus), schleppte ich mich geistesgegenwärtig über den Fußboden zum Telefon und lallte mit Wortbruchstücken über den Notruf 112 das erforderliche dringende Kommen. Mit Blaulicht ging es ins Paul Gerhard Stift nach Wittenberg.

Es war ein plötzliches Ereignis eingetreten, dass ich erst gegen 8 Uhr richtig begriffen hatte, als zu diesem Zeitpunkt eine Logopädin bei mir an meinem Krankenbett stand und die ersten logopädischen Übungen begann. Auch die ersten fachärztlichen Untersuchungsergebnisse und ärztlichen Gespräche gaben mir Klarheit über das Geschehene. Es war ein Schlaganfall.

Zu den Ursächlichkeiten zähle ich aus heutiger Sicht eine psychische Überforderung meiner Person, auf die ich in Bezug des Sachbeitrages nicht näher eingehen möchte. Es hatte aus Vorzeiten schon 3 Warnzeichen gegeben, in dessen ärztlichen Fürsorgebehandlungen ich immer wieder den wichtigen Spruch eingehämmert bekam
„Ich will!“.

Mit diesem Elan habe ich förmlich ein neues Leben, allerdings mit bedingten, bleibenden Einschränkungen begonnen. Der notwendige 10 Tage dauernde Krankenhausaufenthalt wurde parallel der Vorbereitung der nahtlos folgenden Rehabilitation genutzt. Erstmalig musste ich in der Reha-Klinik mit Erschrecken feststellen, dass es hunderte von Auswirkungen des Schlaganfalls gibt.
Von mit viel Fleiß „reparabel“ und mit viel Fleiß „nicht reparabel“, aber auch je nach körperlicher Beschaffenheit schwer zu charakterisierende bzw. zu beschreibende Fälle.

Ich bemerkte bei mir, verbunden auch mit positiver therapeutischer Bewertung, dass mit einer immensen Energie und Ausdauer wieder viel für ein neues angemessenes Leben und nur für mich erreicht werden kann. Nach 4 Tagen intensiven Gehtraining an speziellen wandbefestigten Laufstangen konnte ich vom Rollstuhl zu einem Rollator wechseln. In der Annahme, nach weiteren 4 Wochen zum Gehstock zu wechseln, haben meine korrekten Therapeuten mit aller Härte angewiesen, ab jetzt wird freihändig gelaufen!

Für mich ein nicht zu vergessendes Ereignis, als im herbstlichen Oktober mein erster Gang ohne jegliche Hilfsmittel erfolgte. Ein auf dem Gelände der Reha-Klinik befindlicher See mit geländeangepasstem Wanderweg direkt am Ufer und die Therapeutin ging „auffangsicher meinend“ hinter mir her. Die übliche Essenseinnahme mit Messer und Gabel war für mich chancenlos. Es wurde förmlich bis zur Weißglut geübt und die linke Hand hat wieder den Weg zum Mund gefunden.

Der Logopädieunterricht dauerte rund 1,5 Jahre. Entscheidend war hierbei, dass man als ehemals gestandener im Leben stehender erwachsener Bürger völlig hemmungslos wieder wie ein ABC-Schütze der 1. Klasse angefangen hat. Nach dieser Zeit schätzte die Logopädin ihre Arbeit als maximale Erreichbarkeit ein.

Heute nach rund 5 Jahren, aktiviere ich mich noch immer physio-therapeutisch und lege großen Wert auf die fachlichen Erfahrungen meiner Therapeutin, insbesondere den Erhalt der Selbstständigkeit, ständige Besserung der Motorik, Sensomotorik und vor allem des Gleichgewichtes.

Für diesen Schicksalsschlag habe ich bisher weit über 1000 Therapiestunden benötigt, um mich wieder in das angemessene Leben zurück zu bringen. Das Fahrrad ist jetzt mein Hauptverkehrsmittel und gleichzeitig Therapiegerät (etwa 5000 Kilometer pro Jahr).