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Schulung Ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer ...

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Anonymer Erlebnisbericht

Auf die Plätze, fertig los:

Vor gut fünf Jahren erlebte ich mit gerade mal 39 Jahren einen Schlaganfall. Ich möchte ihn an dieser Stelle nicht weiter klassifizieren, obwohl die Entlassungsberichte von einem leichten linksseitigen Schlaganfall infolge eines Territorialinfarktes sprechen. ABER für mich ist jeder SCHLAGANFALL ein schwerer signifikanter BRUCH mit dem gegenwärtigen ICH (SEIN)….die WELT steht KURZ still und sortiert sich neu und das eigene ICH fühlte sich LOST IN SPACE. Für mich lief die Welt jedoch anfänglich im Rahmen seiner Möglichkeit. Ich wusste nämlich zuerst nicht, dass mich dieses Ereignis heimgesucht hatte, da ich mich nur schlapp und schwach fühlte und so ganz und gar nicht wie immer voller Energie und Tatendrang. Somit schleppte ich mich als pflichtbewusster Arbeitnehmer natürlich montags zur Arbeit und wollte mein Tagwerk starten. Bereits beim Anmelden am PC merkte ich, dass es mir nun wirklich gar nicht gut geht, denn ich konnte mich einfach nicht mehr mit der gewohnten Leichtigkeit im System anmelden, ich traf die Tasten auf der Tastatur nicht mehr und mein Hirn suchte verzweifelt nach dem Passwort und dem Anmeldenamen. Nun, was soll, frage ich die Kollegen um Hilfe. Hier kam nur Kauderwelsch aus meinem Mund und ich war nicht in der Lage mein Problem zu kommunizieren. Für mich hörte sich die Sprache an, als ob ich das ganze Wochenende ordentlich durchgefeiert hätte und nicht ganz nüchtern war. Ach, auch kein Drama, dachte ich, beginne ich den Arbeitstag mit einer vorgezogenen Frühstückspause. Während dieser Pause schlurfte ich meinen Tee, der auffällig bitter schmeckte, und hier fiel meinen Kollegen auf, dass ich optisch merkwürdig aussah und es fiel erstmalig der Begriff SCHLAGANFALL. Sie fragte mich, aufgrund meines herunterhängenden Mundwinkels wie es mit ginge und ich sähe aus, als ob ich einen Schlaganfall gehabt hätte. Was für eine blöde Frage, Schlaganfälle, dass ist doch nur was für alte Menschen, aber ich bejahte, dass es mir nicht so gut geht und ich wohl doch lieber sofort zum Arzt fahre. Beim Arzt stellte man die Diagnose schwere Erkältung (!!!) fest und schrieb mich für eine Woche krank. Ich fuhr nach Hause und legte mich ins Bett. Drei Tage später ging es mir immer noch nicht besser und der Weg führte nun ins Krankenhaus, wo die Diagnose SCHLAGANFALL mit einem CT bestätigt wurde. Auch erfolgte eine umgehende Aufnahme in die Stroke Unit und es begann ab HIER die intensive Arbeit der möglichen Wiederherstellung meines alten ICHS. Das begriff ich natürlich erst viel, viel später, dass ich auf einmal eine Fülle an geistigen und körperlichen Defiziten hatte…und das war auch verdammt noch mal gut so. Zuerst musste die Sprache wieder her sowie die Einteilung der Begriffe in ganz banale Dinge wie Obst und Gemüse…oh man…wie erschreckend es ist, wenn das Hirn nicht mehr funktioniert, wie es soll. Ich lernte also bereits in der Akutbehandlung wieder meine Zunge von rechts nach links zu bewegen, akzeptierte, dass alles nur noch bitter schmeckte (ich wollte ja eh abnehmen, das traf sich gut) und nahm zur Kenntnis, dass mein Akku nur noch auf 10 % Tagesleistung hochfuhr. Aber STEP BY STEP…Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und gut Ding will Weile habe. In mir steckt ein überdurchschnittlicher Optimist und mein Glas ist immer mindestens halb voll. EGAL ob mit oder ohne Schlaganfall. Ich akzeptierte die Challenge, dass ich mich nach und nach um meine gesundheitlichen Einschränkungen kümmere und nicht um alle zeitgleich. Somit überforderten mich die Gespräche und Therapien im Krankenhaus wahnsinnig, da ich in diesem Moment für die Fülle an Gesprächen und Therapien gar nicht aufnahmefähig war. Ich wollte nur schlafen, ich war ja so unendlich müde. Erst während der Anschlussheilbehandlung in der stationären Reha wurde für mich nach und nach klar, dass die Baustelle SCHLAGANFALL ein wenig mehr Zeit in der Wiederherstellung meiner Gesundheit einnehmen wird, als ich dafür einkalkulieren wollte. Musste ich doch tatsächlich grundsätzliche Dinge wie Lesen, Schreiben, Rechnen auf Grundschulniveau (nach über 30 Jahren) wieder erneut erlernen und schon nach 6 Wochen nach dem Ereignis SCHLAGANFALL füllte sich der Akku für die Tagesleistung wieder so um die 20 %. Heute, wie schön, dass es das gibt, ca. fünf Jahre später fühle ich mich wieder so auf ca. 90 % Energielevel und ich blicke auf so viel MEHR in meinem LEBEN vorwärts:

wahnsinnig spannende und lehrreiche Jahre (was wäre ich ohne meine Familie), viele neue Freundschaften (ein großes Danke an Andy, Melina, Melli), gemeisterte berufliche Meilensteine (neue Stellen),
neue Ehrenämter (u.a. Schlaganfall-Helfer, Gruppensprecher einer SHG), absolvierte Weiterbildungen (Gesundheitsmanager)

sowie einen Hochschulabschluss (B. sc. n angewandte Gesundheitswissenschaften) Die FINAL MESSAGE lautet: ALLES ist möglich!!!