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Schulungsblock 3: Ehrenamtliche Schlaganfall ...

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Schulungsblock 2: Ehrenamtliche Schlaganfall ...

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Buchtipp

Meine Freundin Janine kann es bestätigen. Vor langer Zeit träumten wir gemeinsam einen Traum. Wir träumten den Traum, irgendwann die Zeit zu finden, einen Roman schreiben. Und nach dessen Veröffentlichung würden wir weltberühmt werden.

12 Jahre ist das her. Und heute? Halte ich ihn in der Hand, meinen eigenen Roman, den Roman meines Lebens. Gut, der Grund für die Verwirklichung meines Traumes hätte ein weitaus erfreulicherer sein können. Doch vielleicht sollte ich mir eingestehen, dass ich ohne das furchtbar Erlebte, es heute nicht in meinen Händen halten würde. Mein Buch. Ganz unten, am Boden liegend schenkte es mir die Kraft, aufzustehen. Aufzustehen, um weiterzugehen, um weiterzuleben.

„Am Ende ist es ein Anfang“

Das Ende. Es nahte Punkt 6.04 Uhr an einem Donnerstag. Es war der 27. des Monats Oktober im Jahr 2016. Und plötzlich stand die Erde still. Das Leben hörte auf, sich wie Leben anzufühlen. In einem Moment voller Angst, Trauer, Dunkelheit, Kälte und gespürter Endlichkeit ließ er alles mit wahrer Liebe Erschaffene – mein hart erkämpftes Glück – in unzählige Scherben zerspringen. Er, dieser fiese und hinterhältige Schlaganfall, zerstörte plötzlich und unvorhersehbar. Mich. Heike Herzog.

Geboren wurde ich 1968 in Görlitz am späten Abend des 18. Augustes.

Seit 1977 lebe ich in Radebeul, besuchte hier die Schule, genoss meine Jugend, absolvierte ein Studium zur Lehrerin/Erzieherin am Institut für Lehrerbildung „Edwin Hoernle“, probierte mich als freiberufliche Fitnesstrainerin aus, führte ein Bekleidungsgeschäft, bekam binnen 15 Monaten auf wundervolle Art und Weise zwei mir zu jeder Zeit Hoffnung und Kraft schenkende Töchter und arbeitete ab 2007 als Erzieherin in einem Kindergarten. Bis es geschah.

Nichts, aber auch nichts ist vorhersehbar. Was der nächste Moment dir bringt? Vielleicht das Glück deines Lebens. Oder Trauer und Schmerz.

Dieser 27. Oktober 2016 ließ nichts mehr so sein, wie es war. Er zwang mich, in die Dunkelheit zu schauen. Heute bin ich aufmerksamer, sensibilisierter, wertschätzender. Mit mir selbst. Mit anderen. Weil ich weiß, was ich hätte verlieren können. Alles.

Achtzehn Monate nach dem physisch wie psychisch zerstörenden Ereignis setzte ich hinter unzählige Buchstaben, die Wörter zu Sätzen werden ließen, einen allerletzten Punkt. Mag sein, dass ich in meinem Buch gegen mehrere Regeln des Schreibens verstoßen habe. Mag sein, dass sich viele meiner Aussagen widersprechen. Mag sein, dass sich nicht für jeden die Logik des Festgehaltenen erschließt. Mag sein, dass eine erworbene Hirnschädigung mir in Form von Konzentrationsmangel sowie Störungen im motorischen Sprachzentrum Grenzen setzt. Mag alles sein. Doch es ist egal. Mir egal. Und es ist unwichtig. Für mich. Maßgeblich ist, dass mich all das zu Papier Gebrachte vor dem endgültigen Versinken rettete. Denn das Schreiben dieses Buches schenkte mir die Möglichkeit, mich endlich kennenzulernen. Ich fand Wurzeln, Gründe für das Geschehene und sah mich an Kreuzungen stehen, deren zielgerichtetes oder planloses Überqueren mein Leben entscheidend veränderte. Gar nicht so selten wurde ich getrieben von übersteigertem Ehrgeiz, der Jagd nach Trophäen, der Suche nach Anerkennung – nach Werten, die nicht die meinen waren. Erst die Auseinandersetzung mit all dem bisher Gewesenen ließ mich spüren, wie wenig es bedarf, Glück zu empfinden. Diese, meine Geschichte verlieh sie mir, die Kraft, aus der Tiefe aufzutauchen.

Und nun bin ich hier, endlich auf dem Weg in ein, wenn auch anderes, aber trotzdem erfülltes Leben.

Heike Herzog